Kanus an der BBS

Am Anfang war eine Anregung aus dem Internet, und dann ein Experiment: im 2001/02 haben wir mit dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) die ersten beiden Kanus aus Holz und Glasfaserverstärktem Kunststoff gebaut. Ermutigt durch den ersten Erfolg kam nun in jedem Jahr ein Boot dazu. Die Berufsfachschule 1 löste das BVJ als Bootsbauer ab, und inzwischen verfügt die BBS über eine eigene kleine Kanuflotte auf einem speziellen Hänger - finanziert durch großzügige Sponsoren und den Förderverein unserer Schule.

Die Technik

Wir haben zwei unterschiedliche Typen in unterschiedlicher Bauweise gebaut. Da ist einmal das klassische Indianerkanu, der Kanadier, mit den charakteristisch hochgezogenen Enden. Dieser Typ wurde in Leistenbauweise hergestellt. Dazu braucht man ein Gerüst aus Formen (den sogenannten Mallen). Auf denen werden schmale Leisten provisorisch befestigt und miteinander wasserfest verleimt. Die so entstandene Schale wird dann geschliffen, alle Fugen werden mit einer Mischung aus Schleifstaub und Epoxidharz gespachtelt (und wieder geschliffen!). Diese Fläche wird mit einem dünnen Glasfasergewebe und Epoxidharz beschichtet. Nun kommt das Boot von den Mallen und wird innen genauso bearbeitet wie außen. Schließlich wird es am oberen Rand mit Leisten verstärkt, erhält einen Mittelbalken, zwei Sitze und an den Enden und unten eine Metallleiste zum Schutz gegen Grundberührung. Das Ergebnis sieht aus wie ein klarlackiertes Holzboot, tatsächlich haben wir einen interessanten Werkstoffverbund: die Glasfaser-Kunstharz-Schicht hält die Planken zusammen und ersetzt eine Vielzahl von aussteifenden Spanten („Rippen“) im Innenraum. Außerdem hält sie das Boot dicht und schützt das Holz vor Kratzern und Beschädigungen. Die dünnen Holzplanken sorgen für Festigkeit in Längsrichtung und Elastizität – und das bei geringem Gewicht.

Unser anderer Bootstyp ist ein Zweier-Kajak.  Entwickelt von den Inuit am Eismeer ist dieses Boot größtenteils gedeckt. Man sitzt sehr tief in dem Boot, so dass auch Paddelanfänger kaum Gefahr laufen zu kentern. Zugabe moderner Bequemlichkeit ist ein Steuerruder, das mit Fußpedalen bedient wird. Gebaut wurden diese Boote aus wasserfestem Sperrholz auf Spanten. Durch diesen großflächigen Werkstoff bietet sich die Knickspantbauweise an, unserer Kajaks sind also im Querschnitt eckig.  Außen werden auch diese Boote durch Glasfaser und Epoxidharz geschützt.

Kanufahrten

Ein Boot ist kein Möbel und kein Ausstellungsstück, es soll auch fahren. Von Anfang an haben wir mit den erfolgreichen Bootsbauern mehrtägige Wanderfahrten unternommen. Außerdem bieten die Boote während der Projekttage und bei Klassenfahrten anderen Schülern Gelegenheit, den Umgang mit Kanus und interessante Flusslandschaften kennen zu lernen. Unser wichtigster Paddelfluss ist die Lahn, vor allem im oberen Bereich zwischen Wetzlar und Diez. Schifffahrt und schnelle Motorboote gibt es dort nicht, schöne alte Schleusen können wir noch von Hand bedienen, und schließlich gehört auch eine Fahrt durch Deutschlands einzigen Schiffstunnel zum Programm. Andere Fahrten haben uns an die Sauer (der hübsche Grenzfluss zwischen Luxemburg und Deutschland), die Maas in Frankreich und die Mosel geführt. Faszinierend ist dabei immer wieder der Perspektivwechsel. Unten auf dem Fluss ist man in einer ganz eigenen Welt, Straßen Orte und die andern Dinge unserer hochtechnisierten Zivilisation nimmt man kaum noch wahr.

Zum Kanuwandern gehört –meistens – auch das Zelten, mit Lagerfeuer, gemeinsamem Kochen und Grillen. Kanufahrten sind also immer Gemeinschaftsaufgabe und Gemeinschaftserlebnis. Zu dieser Gemeinschaft gehören neben Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern fast immer auch einige Eltern, die sich freundlicher Weise bereitfinden, Schüler zum Fluss zu bringen und abzuholen. Dadurch sparen wir eine Menge Fahrtkosten und können die Fahrten sehr preisgünstig anbieten. Den engagierten Eltern ein dickes Lob!