18.06.2018 19:50
Von: Martin Sayk

Ein Stück afghanische Kultur -in Deutschland selbst gebaut

Normalerweise bauen Schüler des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) in Fachpraxis Holz Nistkästen, Fußbänkchen und andere eher einfache Werkstücke. Sahel Azimi, ein junger Flüchtling aus Afghanistan und Schüler im BVJ Sprache wollte etwas ganz anderes. Vom ersten Tag an hatte er immer irgendeine Leiste in den Händen, und die Finger wanderten spielerisch rauf und runter. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, was er wollte: eine Tanpura bauen, eine afghanische Laute, mit einem langen Hals und einem birnenförmigen Schallkörper. Mühsam haben wir uns über Form, Maße und Bauweise verständigt, Pappschablonen geschnitten, passendes Material vorbereitet. Aus einem großen Block Hartholz musste er dann in wochenlanger Fleißarbeit den Korpus aushöhlen und von außen formen. An einigen Stellen brauchte er natürlich Hilfe - vor allem bei der Maschinenarbeit, aber das meiste hat er wirklich selbst hingekriegt, auch so anspruchsvolle Teile wie die Stimmwirbel. Zwischendurch immer wieder schwierige Diskussionen, weil ich nicht wusste, wie man bestimmte Dinge in Afghanistan macht, und er nicht wusste, wie er sie mir auf Deutsch erklären sollte. Aber am Ende - rechtzeitig vor dem Ende des Schuljahres und vor dem Zuckerfest - war sie fertig. Sie sieht richtig schön aus - und man kann darauf spielen. Also Sahel, fleißig üben, und dann kommst Du noch mal an die BBS und spielst uns was vor. Und viel Erfolg bei den anderen schwierigen Dingen des Lebens, dem B1-Sprachtest, der Berufswahl, der Wohnungssuche. Denk daran, Du kannst viel schaffen!