28.06.2017 14:55
Von: Martin Sayk

Tischler-Gesellenstücke im Schloss

Selbst ein Möbel oder eine Haustür entwerfen, planen und in professioneller Qualität bauen, darum geht es beim Gesellenstück der Tischler. In diesem Jahr wurden 19 Stücke im simmerner Schloss ausgestellt.


In diesem Jahr besonders auffällig: die starke Individualität der Stücke. Auch in andern Jahren spiegelten die Gesellenstücke die Lebenswirklichkeit junger Handwerker: Schreibtisch, Bett, Möbel für Musik, Fernsehen, Wohnzimmer. Aber in diesem Jahr waren einige besonders ausgefallene Lösungen dabei. Da wurde ein Bett auch Panzerfedern gestellt, Schubkastenvollauszüge wurden aus Holz gebaut, Die Platte eines Couchtisches lässt sich auf Esstischhöhe hochklappen, in der Schublade eines Nachtschränkchens verbirgt sich das hochklappbare Gestell für ein Tablet.

Vielfalt zeigt sich auch bei der Holzauswahl und Oberflächengestaltung. Eiche ist das neue Modeholz, und zwar in vielen verschiedenen Erscheinungsformen: klassisch ruhiges Furnier, klar lackiert wie am Schreitisch von Florian Neu, der warme Ton geölter Eiche bei Marc Caspars Fernsehschrank und Alex Gaus‘ Nachtschränkchen, astige Eiche, die das Bett von Joel Stahl belebt, sägeraue Oberflächen an der Eckbar von Simon Sczech oder die dunkel geräucherte Eiche in den Stücken von Aghagol Sharifi und Christopher Bremm. Beim Räuchern wird die Eiche Salmiakdämpfen ausgesetzt, eine chemische Reaktion mit der Gerbsäure des Holzes verändert den Farbton. Andere Holzarten sind Esche, Buche, Ahorn, Nussbaum und – selten zu sehen – Kastanie.

Die warmen Holztöne werden bei einigen Stücken mit deckend lackierten Flächen kombiniert, dieses Jahr vor allem Weiß und Grau. Als Untergrund für solche Lackierungen eignet sich vor allem der Plattenwerkstoff MDF. Für eine perfekte Oberfläche wird die Platte gefüllert und in Abstufungen sorgfältig geschliffen.

Die Ausstellung zeigte, was das Tischlerhandwerk kann, und war hoffentlich auch eine Anregung für junge Menschen auf der Suche nach dem richtigen Beruf.